Als einer der bekanntesten Prediger im 19. Jahrhundert und als der bekannteste englische Prediger überhaupt gilt Charles Haddon Spurgeon, welcher am 19.06.1834 in Kelvedon, Essex als Sohn frommer holländischer Flüchtlinge geboren wurde. Mit 16 ließ er sich 1850 in einer Baptistengemeinde taufen, nachdem er kurz an seinem Glauben zweifelte, jedoch durch eine Laienpredigt einer methodistischen Gemeinde in Colchester und dem Satz „Junger Mann, Blick auf Christus!“ bekehrt wurde. Er begann zu predigen, zunächst als Gemeindepastor in Worterbeach, nachdem er 1851 zum Baptistenpastor berufen wurde, später auch in London. Auch wenn ihm eine theologische Collegeausbildung verwehrt blieb, studierte er unermüdlich im Selbststudium die heilige Schrift und verschiedene andere theologische Schriften, sowie auch verschiedene Naturwissenschaften und mehrere Fremdsprachen.
Seine Predigten zeichneten sich dadurch aus, dass er alle seine Zuhörer als Sünder ansah, die der Rettung bedurften durch ein unablässiges Gebet, sodass aus ihnen neue Menschen in Christus werden. Weiterhin illustrierte er auch seine Predigten mit farbenprächtigen Bildern. Zunächst predigte Spurgeon in öffentlichen Sälen, doch nachdem diese die Zahl seiner Zuhörerschaft nicht mehr fassen konnten, erbauten ihm Freunde 1858 das Metropolitan Tabernacle in London mit 5500 Sitzplätzen, doch waren auch 10.000 Zuhörer keine Seltenheit. 1947 gründete Spurgeon das Predigerseminar “Pastors’ College”, aus dem über die Jahre 742 Prediger hervorgegangen sind. 1856 heiratet er Susannah, Tochter von Robert Thompson. Sie bekamen die Zwillinge Charles und Thomas.
Spurgeon verdingte sich für eine lebendige Gemeinde seiner New Park Street Baptist Church, so unterhielt er nicht nur 17 Armenhäuser und Waisenhäuser wie das “Stockwell Orphanage” für 500 Knaben, sondern auch einige Schulen und Altersheime mit eigenen sowie Mitteln der Gemeinde. Seine Predigten wurden auf der ganzen Welt verbreitet, ebenso wie seine seit 1855 erscheinende Zeitschrift „Schwert und Kelle“. Seine gesammelten Schriften in über 100 Bänden und sein volkstümlicher Psalmenkommentar „Davids Schatzkammer“ (deutsch 1894) wurden von einer breiten Masse gelesen. Er starb am 31. Januar 1892 in Mentone, Frankreich im Alter von 58 Jahren.
Spurgeon war durch und durch Missionar, dennoch hielt er an der calvinistischen Prädestinationslehre fest. Ebenso war er der tiefen Überzeugung, dass die gesamte Heilige Schrift verbal inspiriert sei. Von seinen zahlreichen Schriften sind besonders die „Ratschläge für Prediger“ (1856), „Die Kunst der Illustration“ (deutsch 1905) und „Kleinode göttlicher Verheißungen - ein Andachtsbüchlein für den täglichen Gebrauch“ zu erwähnen. Auch in Deutschland hatte Spurgeon einen gewissen Einfluss. Seine Predigten, Andachten und biblische Kommentare waren und sind nach wie vor beliebte Hilfsmittel für Hausandachten und Laienpredigten. Des Weiteren war er auch mit dem Begründer der deutschen Baptistengemeinden Johann Gerhard Oncken (1800 - 1884) befreundet.